Was ist ein DAMAST und was ein JAQUARD ?

SCHNELLE AUFLÖSUNG:

Beides sind Bildgewebe, d.h. die figürlichen Darstellungen kommen durch unterschiedliche Gewebemusterungen ( Bindungstechnik) zustande.

Der Jacquard hat sich aus dem Damast entwickelt: die Erfindung des Jacquard-Webstuhls ist sozusagen die technische Weiterentwicklung des früheren Zugwebstuhls, auf dem der Damast gewebt wurde.

Heute gibt es keinen „echten“ Damast mehr, die heutigen Webmaschinen sind alles Jacquardmaschinen und somit die Gewebe alles Jacquardgewebe.

Trotzdem hat sich der Begriff Damast heute als Bezeichnung für die einfarbigen großrapportigen Jacquardgewebe eingebürgert, speziell für in sich gemusterte weisse Tisch- und Bettwäsche.

DIE GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG FÜR NEUGIERIGE:

In der syrischen Wüstenstadt Damaskus liegt der Ursprung der Damastweberei.

Der Name Damast leitet sich von „Damask“ ab und bedeutet „bunt gewunden“. Damaskus. Die bunt Gewundene, war als eine der ältesten und sehr reichen Städte des Morgenlandes, bekannt für Seidenstoffe, Teppiche, Stickereien, Leinen und Wollgewebe. Im 9./10. Jh. hat sich hier die Damastweberei entwickelt. In den Basaren war der Damast, in dem Blumenmuster Worte und Ornamente eingewoben waren begehrte Artikel. Durch Jahrhunderte war es ein Monopol der Damszener und ein auf markabre Art gehütetes Geheimnis: Heeren von Sklavenwebern sollen die Zunge herausgeschnittenen worden sein.

Trotzdem gelangte das Wissen um die Entstehung in die Byzanz , über den Bosperus, 1140 nach Palermo und schließlich über Italien Frankreich und Flandern nach Deutschland. In Schlesien, Sachsen und im Bielefelder Raum siedelte sich die Damastweberei an. Von 1666 bis 1933 stellten die Großschönauer echten Damast her. In keinem anderen Ort Deutschlands wurde so viel und so lange echter Damast gewebt. Auf zeitweise fast eintausend Zugwebstühlen fertigten die Weber vor allem hochwertige Tischwäsche. Zu den Abnehmern gehörten vorwiegend Adel und Kirche in ganz Europa. Heute kann man hier in einem Museum die Geschichte der Damastweberei verfolgen.

Zuerst wurden nur geometrische Muster gewebt, einfarbig mit Kett – und Schusssatin im Wechsel: die jeweils in unterschiedliche Richtungen laufenden Fäden (Kettsatin senkrecht, Schusssatin waagrecht) reflektieren je nach Lichteinfall stärker und schwächer, das Muster bildet sich über Licht und Schatten. Später wurde die Technik verfeinert und Ornamente und Blütenmuster eingewebt. Am benötigten Zugwebstuhl sassen mindestens ein Weber und ein Zieher und zur Herstellung eines Tafeltuches mit aufwendigem Muster brauchten sie mehrere Monate. Die Kettfäden konnten nur gruppenweise gehoben / gezogen werden. Deshalb ist Damast an treppenförmigen, mehrfädigen Abstufungen an den Musterkonturen zu erkennen.

Die technische Weiterentwicklung des Damastgewebes war erst durch die Erfindung des Jacquardwebstuhls (nach Jean-Marie Jacquard ca. 1805) möglich. Das Muster wurde bei seinem Webstuhl über eine Lochkarte gesteuert, damit konnte jeder einzelne Kettfaden – in einem Musterrapport (-wiederholung) – gesondert und entsprechend dem Muster gehoben oder gesenkt werden. Die Karten wurden mit Nadeln abgetastet; ein Loch bedeutete Fadenhebung, kein Loch Fadensenkung. Diese beiden Informationen reichten aus, um großflächige Musterungen herzustellen. Genauer gesagt handelt es sich nicht um Karten, sondern um lange Lochstreifen und somit um eine frühe Anwendung der Digitaltechnik.

Mehr Jaquards

Monogramme

Früher zierte fast alle weiss in weiss bestickte oder auch Damastbettwäsche ein Monogramm der Besitzer/in. Vielleicht ruhen auch in Ihren Schränken noch solche ererbten Schätze aus schwerem Leinen oder Baumwolle, die Geschichten Ihrer Ahnen erzählen.

Für die Monogramme gab es Entwurfshilfen: Bücher mit wunderschönen Monogrammen zum Abpausen in allen Stilrichtungen.

Es gab auch fertige langlebigere Metallfolien mit eingestanzten Anfangsbuchstaben. Hier sparte man sich das Erstellen einer Pause ( siehe Handgeführte Stickerei). Das Pauspulver konnte direkt durch die Folie auf den Stoff gerieben werden, und diente so als Vorlage oder Feinzeichnung beim Sticken.

Die ganz individualisierte Form war das schön verzierte eigene Monogramm wie der persönliche Fingerabdruck auf allen Textilien.

Handgeführte Stickerei

HANDGEFÜHRTE STICKEREI
oder
Wie wurde mit Maschine gestickt bevor es Stickautomaten gab?

Eine spannende Geschichte, die im Laichinger Textilmuseum durch Ausstellungsexponate wieder lebendig wird .
Die Textilkünstler von damals, die Stickerinnen, fertigten zuerst eine Zeichnung auf ein Art festes Pauspapier. Damit dieses Muster nun auf den Stoff übertragen werden konnte , wurden die Konturen und Linien der Zeichnung gerastert. Diese Arbeit leistete ein stationäres Gerät mit einer auf und absteigenden Metallspitze. Das Muster wurde per Hand geführt und so entstanden dort wo Linien waren lauter gestanzte Lochreihen.

Diese so präparierte Musterpause wurde nun auf die ausgewählte Stelle eines zu bestickenden Stoffes positioniert. Jetzt wurde ein blaues auswaschbares Pauspulver mit einem mit Stoff oder Schaumstoff durch die kleinen Löchlein des Pauspapieres gerieben.

Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis das ganze zu stickende Muster auf dem Stoff in Form
von blauen Linien markiert ist.
Damit nun das Pulver nicht flüchtig ist , wird es mit einem Art Spiritus befeuchtet und haftet so besser auf dem Stoff.

Nun wird der Stoff der Größe des Musters entsprechend in einen in einen Stickrahmen gespannt.

Und dann, ja dann wird`s schwer kompliziert.
Mit einer Maschine , die wie eine Nähmaschine aussieht, die aber einen ganz wichtigen Hebel unter dem Tisch hat, den man mit dem Knie/ Bein bedient.

Man führt mit der Hand den Musterrahmen und sobald das Knie den Hebel berührt rattert die Maschine los. Der Druck auf den Hebel entscheidet auch über die Stichbreite. Die Koordination von Knie Hirn und Hand will geübt und gelernt sein.
Ich habe mich auch an der Maschine versucht, aber habe nichts Brauchbares zustande gebracht.
Aber Lust bekommen es zu üben, um vielleicht irgendwann oder später so etwas wie dieses wunderschöne textile Kunststück zu vollbringen.

Textile Schätze

Ich wollte so gern wissen, wie die Bettwäsche früher bei Graser verziert wurde, lange vor meiner Zeit als Designerin, … lange bevor es Stickautomaten gab.
Hier auf der Schwäbischen Alb wurden die Aussteuertruhen mit schönsten handbestickten Bett- und Tischwäschen gefüllt. Diese textilen Tradition wollte ich aufspüren.
Im Heimatmuseums Laichingen wurde ich fündig.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Welch Schätze! Welch aufwendige Verzierungstechniken auf weisser Wäsche aus Baumwolle und Leinen. Auch „gute Stücke“ von der Firma Graser waren zu bewundern.

Die Entwicklung der Stickerei war natürlich auch anhand von Maschinen und Gerätschaften zu verfolgen.
Merkwürdige Geräte, gab es zu sehen, an denen die ich ohne Erklärung achtlos vorbeigegangen wäre.
Aber mit dabei hatte ich jemanden von Fa. Graser, die alles noch von der Pike auf gelernt hatte und mir alles erklären konnte.

Oben abgebildet, mein Lieblingsstück.

Was genau bedeutet die Bezeichnung „mercerisiert“ in Zusammenhang mit Baumwolle?

Baumwolle
Baumwolle

Die Baumwollfaser ist von Natur aus ein mit Zellsaft gefülltes Röhrchen, welches leicht glänzt. Nach der Ernte trocknet der Zellsaft ein, wodurch sich die Oberfläche der Faser verwindet. Die gekrümmte Oberfläche führt zu einer anderen Lichtbrechung, daher wirken Baumwollerzeugnisse stumpf.

Die Merc(z)erisierung  ist ein kostspieliges Ver- edlungsverfahren, das diesen ursprünglichen Glanz wieder zurückholt und außerdem die Qualität der Textilien erhöht. Dieses Veredlungsverfahren wird nur für sehr hochwertige Baumwollstoffe angewandt.

Entdeckt wurde es von einem Engländer namens John Mercer  Mitte des 19. Jahrhunderts. Er bemerkte beim Filtrieren von Natronlauge durch ein Baumwolltuch, dass das Gewebe aufquoll und anschließend deutlich andere Eigenschaften aufwies.

Beim heutigen Mercerisieren wird Baumwolle unter Ein- wirkung von Zugspannung konzentrierter Natronlauge ausgesetzt.
Diese Behandlung verändert die innere Struktur und den Querschnitt der Baumwollfaser: Er verändert sich von nierenförmig (eingetrocknet) wieder zu rund (Ursprungszustand) und die korkenzieherartigen Windungen verschwinden.
Optisch erkennbar ist ein seidenartiger waschbeständiger Glanz und fühlbar ist ein weicher fülliger Griff. Nicht sichtbar ist eine gewonnene höhere Reißfestigkeit (ein Drittel höher), eine bessere Färbbarkeit (gleichmässiger und mit weniger Farbstoff nötig) und eine bessere Dimensionsstabilität des Gewebes.

WILLKOMMEN hier! Kennen wir uns schon?

Wir von GRASER gehen unter die Blogger! Wir möchten mit euch kommunizieren. Wir stellen euch unsere Gedanken, Informationen und Ideen ins Netz und würden uns freuen, wenn ihr sie kommentiert. Unsere Themen kreisen um Farbe, um Textiles und Firmenspezifisches, um Bereiche in denen wir uns auskennen. Lasst uns wissen, was euch interessiert, seid neugierig, fragt uns einen Loch in den Bauch. Fordert uns heraus und lasst uns teilnehmen an euren Erfahrungen, euren Ideen. Wir sind gespannt auf unsere gemeinsame Reise als „Schatzsucher unterwegs“!

Makosatin

Makosatin
Makosatin

MAKOSATIN ist nicht gleich MAKOSATIN ist nicht gleich MAKOSATIN

Makosatinbettwäsche gibt es inzwischen beim Discounter neben dem Käse oder dem Kaffee und ist so schön billig. Und im Einzelhandel, hat sie zwar manchmal auch ein schöneres Muster, aber kostet gleich ein Vielfaches. Warum?
Finde ich auch eine Frechheit, vollkommen verwirrend, ein Name und so verschiedene Preise!

Leider ist der Begriff Makosatin nicht geschützt und so hat er sich im Laufe der Jahre abgenutzt. Die Qualität der angebotenen Makosatinbettwäschen ist so verschieden wie der Preis.

Makosatin setzt sich aus Mako und Satin zusammen:

MAKO steht für Makobaumwolle. Sie stammte ursprünglich aus Ägypten und war wegen ihres natürlichen leichten Glanzes und ihrer Faserlänge (auch Stapellänge genannt) unübertroffen.
Inzwischen sind auch andere Anbieterländer hinzugekommen, die auch diesen Standard anbieten können. Aber eine hochwertige Faserqualität (35 mm und höher) bleibt immer ein kostbares nicht beliebig vermehrbares Gut und hat seinen Preis auf dem Rohstoffmarkt. Es ist abhängig von einem bestimmten Klima und der Ernte.
Je länger die Faser, desto feiner kann auch das Garn ausgesponnen werden (100 m / 135m eines hochwertigen Garnes entspricht einem Gramm) und je feiner seidenähnlicher ist dann auch das Gewebe.

SATIN ist der zweite Teil des Begriffes. Es ist der Name eines Gewebetyps, das an seinem weichen Fall und einer glatten leicht glänzenden Oberfläche erkennbar ist. Grund dafür ist die „Bindung“ ( Atlas – oder Satinbindung) also die Art der Verflechtung von den beiden Gewebesystemen „Kette und Schuss“.

Und woran erkenne ich jetzt den hochwertigen Makosatin, der seinem Namensgeber am nächsten kommt?
Am feinen Griff, an der Leichtigkeit des Gewebes und am Preis. Leider!

Das Violett

Beere

Sehr verkäuflich diese Farbe, trifft genau den Nerv der Zeit!

Von Damenunterwäsche bis zu Männerkrawatten, Büchercovern, Werbung in der Zeitung, allen Produkten soll mit der Farbe Violett das gewisse verführerische Etwas anhaften, das gerade jetzt zum Kauf anreizt.

Nur ein schnöder Modetrend?

Ein Modertrend wird nur ein Modetrend, wenn er von der der Gesellschaft angenommen wird.

Vor dem Violett hatte das Rot- Orange die Aufgabe die Gesellschaft zu beflügeln, regelrecht angeheizt hat sie sie. Die aktivste Farbe im Farbkreis kommt nie zur Ruhe, strebt unaufhörlich nach höher schneller und noch mehr.

Die Gesellschaft war offen für das Wagnis und das Orange bis zum Börsencrash. Dann kam Katerstimmung, Besinnung und vielleicht auch eine Läuterung. Jedenfalls kam das Violett zusammen mit dem Beige und den Neutrals langsam zur Hintertür herein und verdrängte langsam die Wirkung des Orange.

Violett ist die schwerste, dunkelste und bewegungsärmste Farbe im Farbkreis, wirkt deshalb beruhigend, leicht melancholisch und meditativ. Nimmt uns schützend auf und hilft uns auf der Suche nach dem Wesentlichen. Souffliert uns auch des Weisheits Kern in sich zu tragen.

Es ist die Mischung vom aktiven warmen körperlichen Rot und dem passiven kalten geistigen Blau.

Die Aktivität geht in den Geist und die Passivität in den Körper, meditative Stille sozusagen.

Einkehr und Ruhe nach dem Sturm.

Interessanter Weise ist in der Kirche das Violett die Symbolfarbe des Leidens, Fastens und des Busse tuns, also das Ringen des Geistes mit dem Fleisch.

Wie lange dieser Prozess der inneren Reinigung und Neuwerdung wohl dauert und für welche Farbe sind wir dann reif?

© Tilio & Paolo / fotolia