Hohlsaum

Text von Petra Vetter

Hohlsaumstickerei ist auf der ganzen Welt verbreitet.
Textilien mit einfachen Hohlsäumen wurden bereits in antiken, ägyptischen Gräbern gefunden.
Die zunächst einfachen Muster wurden im Laufe der Zeit verfeinert.

Auf der schwäbischen Alb war es bis vor ein paar Jahrzehnten Tradition, dass die Mädchen noch in der Schule die Kunst Hohlsaum zu nähen erlernen mussten, damit sie später durch das Besticken von Bettwäsche noch etwas Geld dazu verdienen konnten.
In den Wintermonaten gab es so genannte Lichtstuben, in denen sich Mädchen und Jungen trafen. Die Mädchen bestickten Deckchen, Bettwäsche, Schürzen und andere Textilien, die Jungen waren zur Unterhaltung dabei.

Hohlsaum ist eine Sticktechnik, bei der einzelne Gewebefäden frei gelegt und die verbliebenen Fäden durch Hohlsaum und andere Zierstiche kunstvoll gebündelt werden.  Auf diese Weise entstehen schmale Schmuckkanten oder üppige, spitzenähnliche Borten.

Monogramme

Früher zierte fast alle weiss in weiss bestickte oder auch Damastbettwäsche ein Monogramm der Besitzer/in. Vielleicht ruhen auch in Ihren Schränken noch solche ererbten Schätze aus schwerem Leinen oder Baumwolle, die Geschichten Ihrer Ahnen erzählen.

Für die Monogramme gab es Entwurfshilfen: Bücher mit wunderschönen Monogrammen zum Abpausen in allen Stilrichtungen.

Es gab auch fertige langlebigere Metallfolien mit eingestanzten Anfangsbuchstaben. Hier sparte man sich das Erstellen einer Pause ( siehe Handgeführte Stickerei). Das Pauspulver konnte direkt durch die Folie auf den Stoff gerieben werden, und diente so als Vorlage oder Feinzeichnung beim Sticken.

Die ganz individualisierte Form war das schön verzierte eigene Monogramm wie der persönliche Fingerabdruck auf allen Textilien.

Handgeführte Stickerei

HANDGEFÜHRTE STICKEREI
oder
Wie wurde mit Maschine gestickt bevor es Stickautomaten gab?

Eine spannende Geschichte, die im Laichinger Textilmuseum durch Ausstellungsexponate wieder lebendig wird .
Die Textilkünstler von damals, die Stickerinnen, fertigten zuerst eine Zeichnung auf ein Art festes Pauspapier. Damit dieses Muster nun auf den Stoff übertragen werden konnte , wurden die Konturen und Linien der Zeichnung gerastert. Diese Arbeit leistete ein stationäres Gerät mit einer auf und absteigenden Metallspitze. Das Muster wurde per Hand geführt und so entstanden dort wo Linien waren lauter gestanzte Lochreihen.

Diese so präparierte Musterpause wurde nun auf die ausgewählte Stelle eines zu bestickenden Stoffes positioniert. Jetzt wurde ein blaues auswaschbares Pauspulver mit einem mit Stoff oder Schaumstoff durch die kleinen Löchlein des Pauspapieres gerieben.

Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis das ganze zu stickende Muster auf dem Stoff in Form
von blauen Linien markiert ist.
Damit nun das Pulver nicht flüchtig ist , wird es mit einem Art Spiritus befeuchtet und haftet so besser auf dem Stoff.

Nun wird der Stoff der Größe des Musters entsprechend in einen in einen Stickrahmen gespannt.

Und dann, ja dann wird`s schwer kompliziert.
Mit einer Maschine , die wie eine Nähmaschine aussieht, die aber einen ganz wichtigen Hebel unter dem Tisch hat, den man mit dem Knie/ Bein bedient.

Man führt mit der Hand den Musterrahmen und sobald das Knie den Hebel berührt rattert die Maschine los. Der Druck auf den Hebel entscheidet auch über die Stichbreite. Die Koordination von Knie Hirn und Hand will geübt und gelernt sein.
Ich habe mich auch an der Maschine versucht, aber habe nichts Brauchbares zustande gebracht.
Aber Lust bekommen es zu üben, um vielleicht irgendwann oder später so etwas wie dieses wunderschöne textile Kunststück zu vollbringen.

Textile Schätze

Ich wollte so gern wissen, wie die Bettwäsche früher bei Graser verziert wurde, lange vor meiner Zeit als Designerin, … lange bevor es Stickautomaten gab.
Hier auf der Schwäbischen Alb wurden die Aussteuertruhen mit schönsten handbestickten Bett- und Tischwäschen gefüllt. Diese textilen Tradition wollte ich aufspüren.
Im Heimatmuseums Laichingen wurde ich fündig.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Welch Schätze! Welch aufwendige Verzierungstechniken auf weisser Wäsche aus Baumwolle und Leinen. Auch „gute Stücke“ von der Firma Graser waren zu bewundern.

Die Entwicklung der Stickerei war natürlich auch anhand von Maschinen und Gerätschaften zu verfolgen.
Merkwürdige Geräte, gab es zu sehen, an denen die ich ohne Erklärung achtlos vorbeigegangen wäre.
Aber mit dabei hatte ich jemanden von Fa. Graser, die alles noch von der Pike auf gelernt hatte und mir alles erklären konnte.

Oben abgebildet, mein Lieblingsstück.