Was genau bedeutet die Bezeichnung „mercerisiert“ in Zusammenhang mit Baumwolle?

Baumwolle
Baumwolle

Die Baumwollfaser ist von Natur aus ein mit Zellsaft gefülltes Röhrchen, welches leicht glänzt. Nach der Ernte trocknet der Zellsaft ein, wodurch sich die Oberfläche der Faser verwindet. Die gekrümmte Oberfläche führt zu einer anderen Lichtbrechung, daher wirken Baumwollerzeugnisse stumpf.

Die Merc(z)erisierung  ist ein kostspieliges Ver- edlungsverfahren, das diesen ursprünglichen Glanz wieder zurückholt und außerdem die Qualität der Textilien erhöht. Dieses Veredlungsverfahren wird nur für sehr hochwertige Baumwollstoffe angewandt.

Entdeckt wurde es von einem Engländer namens John Mercer  Mitte des 19. Jahrhunderts. Er bemerkte beim Filtrieren von Natronlauge durch ein Baumwolltuch, dass das Gewebe aufquoll und anschließend deutlich andere Eigenschaften aufwies.

Beim heutigen Mercerisieren wird Baumwolle unter Ein- wirkung von Zugspannung konzentrierter Natronlauge ausgesetzt.
Diese Behandlung verändert die innere Struktur und den Querschnitt der Baumwollfaser: Er verändert sich von nierenförmig (eingetrocknet) wieder zu rund (Ursprungszustand) und die korkenzieherartigen Windungen verschwinden.
Optisch erkennbar ist ein seidenartiger waschbeständiger Glanz und fühlbar ist ein weicher fülliger Griff. Nicht sichtbar ist eine gewonnene höhere Reißfestigkeit (ein Drittel höher), eine bessere Färbbarkeit (gleichmässiger und mit weniger Farbstoff nötig) und eine bessere Dimensionsstabilität des Gewebes.