Wie unsere Stickerei entsteht

eine neue Stickerei für  Graser Bettwäsche wird von mir zuerst gezeichnet, hier eine erste Skizze von SCHLÄFST DU?

die zeichnung

 

 

 

 

 

 

 

Die perfekte Zeichnung wird dann weitergeleitet zu unserem  Herrn Knöller,  der davon eine Stickkarte erstellt. Mit viel Einfühlungsvermögen separiert er die Stickfarben und überlegt sich welche Sticksticharten für die Fläche und die Linien passen.  Seine Stickvorschrift für die Stickmaschine sieht dann so aus:

eulen03

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt bin ich wieder gefragt um die richtigen Stickgarnfarben auszuwählen. Nach mehrmaligem Ansticken und Testen der Wirkung der Stickfarben miteinander sind die schönsten Farbkombinationen gefunden. Jetzt kann das Dessin  an die richtige Stelle der Bettwäsche positioniert  werden. Die zu bestickende Stelle wird dann in einen Stickrahmen gespannt, in den Stickautomaten geklemmt und die Stickgarne aufgesteckt. So lernt  das Stickprogramm alleine laufen, wenn alles gut geht  und heraus kommt:

Schlaefst-Du

Broderie Anglaise

Lese gerade mit Begeisterung Anna Karenina von Tolstoi / 1878  

Immer wieder taucht hier als Beschäftigung und weibliche Zerstreuung der Stickrahmen mit einer „Broderie anglaise“ auf, die gerade en vogue war.          … seine Sticheleien über ihre Broderie anglaisewährend verständige Leute Löcher stopften, machte sie absichtlich welche hinein…

Das hat mich neugierig gemacht: Was genau ist diese Broderie anglaise – französisch für „Englische Stickerei“? Aber warum sie nicht English embroidery genannt wurde habe ich nicht herausgefunden.

Geschichte

Die Sticktechnik ist wahrscheinlich im 16.Jh. in der heutigen Tschechischen Republik entstanden, blieb aber wegen der Beliebtheitim 19.Jh. in England  namentlich mit dem Land verbunden.

Anfang 1870 konnten die Stickereien  dann von Schweizer Stickmaschinen ausgeführt werden.

Auf der Insel Madeira  hat  dieses Kunsthandwerk bis heute eine lange Tradition. In Osteuropa wird inzwischen das ursprüngliche weisse gerne mit farbigem Stickgarn ersetzt.

Technik

Die Broderie anglaise gehört in die Gruppe der Weisstickerei. Sie ist erkennbar als eine einfache Lochstickerei. Zur Musterbildung werden Löcher in den Stoff gearbeitet_ Kreise Tropfen Ovale _ die bogenförmig zu Lochketten aneinandergereiht und oder Blüten geformt werden.

Calderon_Broken_Vows_Cuff_Detail

Broderie_Anglaise

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Muster wird zuerst aufgezeichnet und dann wird jedes Loch mit Vorstichen konturiert. Im Fadenlauf wird der Stoff innerhalb des zu bildenden Loches kreuzweise eingeschnitten und dann mit einem Blindlochstich umstickt . Der überstehende Stoff wird nach hinten umgelegt und später restliche überstehende Stoffränder abgeschnitten. Eine Variante sind die sog. Schattenlöcher, sie sind an einer Stelle . durch mehrere Reihen an Vorstichen verdickt und anschliessend umstickt ( siehe Bild unten):

Lochstich

 

Wer beherrscht heute noch diese Kunst?

 

Klöppelspitze

Text: Petra Vetter

Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Klöppelspitze in Italien und Holland bekannt.
Im Laufe der Zeit wanderte die Spitzenkunst nach Frankreich und Belgien. Seit dem 16. Jahrhundert ist sie auch in Deutschland vertreten, insbesondere im Erzgebirge.
Prunkvolle Moden des Barock und Rokoko im 17. und 18. Jahrhundert brachten Meisterwerke der Klöppelkunst hervor. Valenciennes-, Melchelner- und Brüsseler Spitzen sind heute noch ein Begriff.

Zur Fertigung benötigt man ein Kissen in Rollenform, früher gefüllt mit Kleie, heute mit Sägemehl, Klöppel, die aus verschiedenen Holzarten von Hand gedrechselt werden und je nach Holzart beim Klöppeln einen schönen Klang ergeben.

Die Klöppel werden je nach Verwendungszweck mit Leinenzwirn, Seide oder Metallgespinnst bewickelt. Auf der Klöppelrolle wird ein Brief aufgesteckt, auf dem das Motiv in Zickzacklinien aufgezeichnet ist. Man klöppelt immer von links nach rechts. Dabei wird am Wendepunkt eine Nadel gesteckt, die der Spitze den Halt und die Form gibt.
Klöppeln ist ein Verschlingen, Drehen und Kreuzen der Klöppelpaare untereinander.

Kloeppel

Kloeppeln

Gekloeppelter-Einsatz

Hohlsaum

Text von Petra Vetter

Hohlsaumstickerei ist auf der ganzen Welt verbreitet.
Textilien mit einfachen Hohlsäumen wurden bereits in antiken, ägyptischen Gräbern gefunden.
Die zunächst einfachen Muster wurden im Laufe der Zeit verfeinert.

Auf der schwäbischen Alb war es bis vor ein paar Jahrzehnten Tradition, dass die Mädchen noch in der Schule die Kunst Hohlsaum zu nähen erlernen mussten, damit sie später durch das Besticken von Bettwäsche noch etwas Geld dazu verdienen konnten.
In den Wintermonaten gab es so genannte Lichtstuben, in denen sich Mädchen und Jungen trafen. Die Mädchen bestickten Deckchen, Bettwäsche, Schürzen und andere Textilien, die Jungen waren zur Unterhaltung dabei.

Hohlsaum ist eine Sticktechnik, bei der einzelne Gewebefäden frei gelegt und die verbliebenen Fäden durch Hohlsaum und andere Zierstiche kunstvoll gebündelt werden.  Auf diese Weise entstehen schmale Schmuckkanten oder üppige, spitzenähnliche Borten.

Was ist ein DAMAST und was ein JAQUARD ?

SCHNELLE AUFLÖSUNG:

Beides sind Bildgewebe, d.h. die figürlichen Darstellungen kommen durch unterschiedliche Gewebemusterungen ( Bindungstechnik) zustande.

Der Jacquard hat sich aus dem Damast entwickelt: die Erfindung des Jacquard-Webstuhls ist sozusagen die technische Weiterentwicklung des früheren Zugwebstuhls, auf dem der Damast gewebt wurde.

Heute gibt es keinen „echten“ Damast mehr, die heutigen Webmaschinen sind alles Jacquardmaschinen und somit die Gewebe alles Jacquardgewebe.

Trotzdem hat sich der Begriff Damast heute als Bezeichnung für die einfarbigen großrapportigen Jacquardgewebe eingebürgert, speziell für in sich gemusterte weisse Tisch- und Bettwäsche.

DIE GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG FÜR NEUGIERIGE:

In der syrischen Wüstenstadt Damaskus liegt der Ursprung der Damastweberei.

Der Name Damast leitet sich von „Damask“ ab und bedeutet „bunt gewunden“. Damaskus. Die bunt Gewundene, war als eine der ältesten und sehr reichen Städte des Morgenlandes, bekannt für Seidenstoffe, Teppiche, Stickereien, Leinen und Wollgewebe. Im 9./10. Jh. hat sich hier die Damastweberei entwickelt. In den Basaren war der Damast, in dem Blumenmuster Worte und Ornamente eingewoben waren begehrte Artikel. Durch Jahrhunderte war es ein Monopol der Damszener und ein auf markabre Art gehütetes Geheimnis: Heeren von Sklavenwebern sollen die Zunge herausgeschnittenen worden sein.

Trotzdem gelangte das Wissen um die Entstehung in die Byzanz , über den Bosperus, 1140 nach Palermo und schließlich über Italien Frankreich und Flandern nach Deutschland. In Schlesien, Sachsen und im Bielefelder Raum siedelte sich die Damastweberei an. Von 1666 bis 1933 stellten die Großschönauer echten Damast her. In keinem anderen Ort Deutschlands wurde so viel und so lange echter Damast gewebt. Auf zeitweise fast eintausend Zugwebstühlen fertigten die Weber vor allem hochwertige Tischwäsche. Zu den Abnehmern gehörten vorwiegend Adel und Kirche in ganz Europa. Heute kann man hier in einem Museum die Geschichte der Damastweberei verfolgen.

Zuerst wurden nur geometrische Muster gewebt, einfarbig mit Kett – und Schusssatin im Wechsel: die jeweils in unterschiedliche Richtungen laufenden Fäden (Kettsatin senkrecht, Schusssatin waagrecht) reflektieren je nach Lichteinfall stärker und schwächer, das Muster bildet sich über Licht und Schatten. Später wurde die Technik verfeinert und Ornamente und Blütenmuster eingewebt. Am benötigten Zugwebstuhl sassen mindestens ein Weber und ein Zieher und zur Herstellung eines Tafeltuches mit aufwendigem Muster brauchten sie mehrere Monate. Die Kettfäden konnten nur gruppenweise gehoben / gezogen werden. Deshalb ist Damast an treppenförmigen, mehrfädigen Abstufungen an den Musterkonturen zu erkennen.

Die technische Weiterentwicklung des Damastgewebes war erst durch die Erfindung des Jacquardwebstuhls (nach Jean-Marie Jacquard ca. 1805) möglich. Das Muster wurde bei seinem Webstuhl über eine Lochkarte gesteuert, damit konnte jeder einzelne Kettfaden – in einem Musterrapport (-wiederholung) – gesondert und entsprechend dem Muster gehoben oder gesenkt werden. Die Karten wurden mit Nadeln abgetastet; ein Loch bedeutete Fadenhebung, kein Loch Fadensenkung. Diese beiden Informationen reichten aus, um großflächige Musterungen herzustellen. Genauer gesagt handelt es sich nicht um Karten, sondern um lange Lochstreifen und somit um eine frühe Anwendung der Digitaltechnik.

Mehr Jaquards

Monogramme

Früher zierte fast alle weiss in weiss bestickte oder auch Damastbettwäsche ein Monogramm der Besitzer/in. Vielleicht ruhen auch in Ihren Schränken noch solche ererbten Schätze aus schwerem Leinen oder Baumwolle, die Geschichten Ihrer Ahnen erzählen.

Für die Monogramme gab es Entwurfshilfen: Bücher mit wunderschönen Monogrammen zum Abpausen in allen Stilrichtungen.

Es gab auch fertige langlebigere Metallfolien mit eingestanzten Anfangsbuchstaben. Hier sparte man sich das Erstellen einer Pause ( siehe Handgeführte Stickerei). Das Pauspulver konnte direkt durch die Folie auf den Stoff gerieben werden, und diente so als Vorlage oder Feinzeichnung beim Sticken.

Die ganz individualisierte Form war das schön verzierte eigene Monogramm wie der persönliche Fingerabdruck auf allen Textilien.

Handgeführte Stickerei

HANDGEFÜHRTE STICKEREI
oder
Wie wurde mit Maschine gestickt bevor es Stickautomaten gab?

Eine spannende Geschichte, die im Laichinger Textilmuseum durch Ausstellungsexponate wieder lebendig wird .
Die Textilkünstler von damals, die Stickerinnen, fertigten zuerst eine Zeichnung auf ein Art festes Pauspapier. Damit dieses Muster nun auf den Stoff übertragen werden konnte , wurden die Konturen und Linien der Zeichnung gerastert. Diese Arbeit leistete ein stationäres Gerät mit einer auf und absteigenden Metallspitze. Das Muster wurde per Hand geführt und so entstanden dort wo Linien waren lauter gestanzte Lochreihen.

Diese so präparierte Musterpause wurde nun auf die ausgewählte Stelle eines zu bestickenden Stoffes positioniert. Jetzt wurde ein blaues auswaschbares Pauspulver mit einem mit Stoff oder Schaumstoff durch die kleinen Löchlein des Pauspapieres gerieben.

Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis das ganze zu stickende Muster auf dem Stoff in Form
von blauen Linien markiert ist.
Damit nun das Pulver nicht flüchtig ist , wird es mit einem Art Spiritus befeuchtet und haftet so besser auf dem Stoff.

Nun wird der Stoff der Größe des Musters entsprechend in einen in einen Stickrahmen gespannt.

Und dann, ja dann wird`s schwer kompliziert.
Mit einer Maschine , die wie eine Nähmaschine aussieht, die aber einen ganz wichtigen Hebel unter dem Tisch hat, den man mit dem Knie/ Bein bedient.

Man führt mit der Hand den Musterrahmen und sobald das Knie den Hebel berührt rattert die Maschine los. Der Druck auf den Hebel entscheidet auch über die Stichbreite. Die Koordination von Knie Hirn und Hand will geübt und gelernt sein.
Ich habe mich auch an der Maschine versucht, aber habe nichts Brauchbares zustande gebracht.
Aber Lust bekommen es zu üben, um vielleicht irgendwann oder später so etwas wie dieses wunderschöne textile Kunststück zu vollbringen.

Textile Schätze

Ich wollte so gern wissen, wie die Bettwäsche früher bei Graser verziert wurde, lange vor meiner Zeit als Designerin, … lange bevor es Stickautomaten gab.
Hier auf der Schwäbischen Alb wurden die Aussteuertruhen mit schönsten handbestickten Bett- und Tischwäschen gefüllt. Diese textilen Tradition wollte ich aufspüren.
Im Heimatmuseums Laichingen wurde ich fündig.

Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Welch Schätze! Welch aufwendige Verzierungstechniken auf weisser Wäsche aus Baumwolle und Leinen. Auch „gute Stücke“ von der Firma Graser waren zu bewundern.

Die Entwicklung der Stickerei war natürlich auch anhand von Maschinen und Gerätschaften zu verfolgen.
Merkwürdige Geräte, gab es zu sehen, an denen die ich ohne Erklärung achtlos vorbeigegangen wäre.
Aber mit dabei hatte ich jemanden von Fa. Graser, die alles noch von der Pike auf gelernt hatte und mir alles erklären konnte.

Oben abgebildet, mein Lieblingsstück.

Was genau bedeutet die Bezeichnung „mercerisiert“ in Zusammenhang mit Baumwolle?

Baumwolle
Baumwolle

Die Baumwollfaser ist von Natur aus ein mit Zellsaft gefülltes Röhrchen, welches leicht glänzt. Nach der Ernte trocknet der Zellsaft ein, wodurch sich die Oberfläche der Faser verwindet. Die gekrümmte Oberfläche führt zu einer anderen Lichtbrechung, daher wirken Baumwollerzeugnisse stumpf.

Die Merc(z)erisierung  ist ein kostspieliges Ver- edlungsverfahren, das diesen ursprünglichen Glanz wieder zurückholt und außerdem die Qualität der Textilien erhöht. Dieses Veredlungsverfahren wird nur für sehr hochwertige Baumwollstoffe angewandt.

Entdeckt wurde es von einem Engländer namens John Mercer  Mitte des 19. Jahrhunderts. Er bemerkte beim Filtrieren von Natronlauge durch ein Baumwolltuch, dass das Gewebe aufquoll und anschließend deutlich andere Eigenschaften aufwies.

Beim heutigen Mercerisieren wird Baumwolle unter Ein- wirkung von Zugspannung konzentrierter Natronlauge ausgesetzt.
Diese Behandlung verändert die innere Struktur und den Querschnitt der Baumwollfaser: Er verändert sich von nierenförmig (eingetrocknet) wieder zu rund (Ursprungszustand) und die korkenzieherartigen Windungen verschwinden.
Optisch erkennbar ist ein seidenartiger waschbeständiger Glanz und fühlbar ist ein weicher fülliger Griff. Nicht sichtbar ist eine gewonnene höhere Reißfestigkeit (ein Drittel höher), eine bessere Färbbarkeit (gleichmässiger und mit weniger Farbstoff nötig) und eine bessere Dimensionsstabilität des Gewebes.